• Lotz Carbon 2nd Ride – Teil II

    Geschrieben von: David Flaschenträger
    Montag, den 14. November 2011 um 21:51 Uhr

    Letzte Woche gab’s die Schäden zu sehen, die der Rahmen meiner Wahl vom Vorbesitzer davon getragen hat. Sowohl das Oberrohr als auch das rechte Sitzrohr wiesen massive Schäden auf. In allen drei Fällen erstreckten sich die Risse auf ca. 75% des Umfanges. Insbesondere der obere Bruch an der Sitzstrebe hat mich vor der Reparatur ein wenig beschäftigt, da er direkt am Übergang zur Bremsbrücke(?) lag, also zum einen recht wenig Platz vorhanden war um zu schäften, zum anderen diese Stelle im Betrieb hoch belastet und natürlich sicherheitsrelevant ist, so dass hier auf Nummer sicher gearbeitet werden muss. Wie Julian in einem der letzten Berichte zum Fahrrad aus der Faser berichtete, werden Oberrohre und auch Sitzstreben in der Regel aus Laminaten aufgebaut, bei denen verschiedene Lagen unterschiedliche Funktionen übernehmen. Unidirektionale Fasern in Rohrlängsrichtung dienen dazu Zug- oder Druckspannungen zu übertragen, während Fasern die Schräg zur Rohrlängsrichtung verlegt werden Schub und damit Momente aufnehmen können. Die Reparatur der schadhaften Stellen erfolgte dann nach klassischer Manier.

     

    1: Abkleben von Bereichen die nicht durch die Reparatur beeinflusst werden sollen

    2: Abschleifen der Laminatteile die ersetzt werden sollen, dabei muss auf ein ausreichend hohes Schäftungsverhältnis geachtet werden.

    3: Auftragen von Harz und Fasern

    4: Mit Abreißgewebe alles fixieren

    5: min 24 std. Warten

    6: Abreißgewebe entfernen und anschließend glatt schleifen

    7: Decklage aufbringen

    8: Siehe Punkt 4 bis 6

    9: Abschließend mit Harz einstreichen und je nach gewünschter Oberfläche das Ganze bedecken.

    Oberrohr mit Flicken und mit Abreißgewebeband komprimiert.

    Oberrohr mit Flicken und mit Abreißgewebeband komprimiert.

     

    Nun, für welchem Lamintaufbau habe ich mich entschieden? Beim Herausschleifen der schadhaften Stellen kann man in der Regel sehr gut erkennen in welche Richtung die Fasern der jeweiligen Schicht laufen. Bei beiden Rohren kamen neben der Decklage, die in bekannter 12k-Optik daherkam, vor Allem Fasern in einem niedrigen Winkel zum Einsatz. Ein solches Laminat eignet sich in erster Linie gut für Biege-, Zug- und Druckbelastungen, hat aber zusätzlich (begrenzt) Reserven zum Aufnehmen von Torsionsmomenten oder Schub wie er im Falle der Sitzstreben zwischen Ober- und Unterseite in Folge der Durchbiegung auftritt. Zur Erklärung sei erwähnt, dass die Sitzstreben des Heliums einen sehr flachen Querschnitt aufweisen, was vermutlich der vertikalen Nachgiebigkeit des Hinterbaus zu Gute kommen soll. Da ich den Rahmen noch nicht gefahren bin, kann ich leider noch nicht sagen, ob die Rechnung aufgeht ;-). Wie ersetzt man nun mit einfachen Mitteln ein solches Laminat? Prinzipiell bieten sich hier zwei Möglichkeiten. Entweder UD-Material (z.B. Bänder, oder entsprechende Streifen) in einem vergleichbaren Winkel abwechselnd ablegen, also z.B. +15°, -15°, -15° und abschließend wieder +15° zur Längsachse des Rohres. Oder man verwendet verschiedene Gelege/Gewebe um sein Ziel zu erreichen. In meinem Fall habe ich mich für letzteres entschieden. Als erste Lage wurde ein Streifen UD-Material in Längsrichtung (0°) abgelegt, hierauf kam dann ein AWV mittleren Faserwinkels (ca. 30°). Hierzu wurden ein entsprechendes, rechteckiges Stück in einem Winkel von 45° aus Köpergewebe geschnitten. Leinwand wäre im Falle von geraden Rohren auch möglich, Köper lässt sich aber ganz allgemein besser verschieben und drapieren, was eine leichtere Verarbeitung ermöglicht. Dieses Rechteck wurde nun ein wenig in die Länge gezogen, so dass sich die Fasern in einem flacheren Winkel wiederfinden. Bei einer solchen Lage sollte man darauf achten, dass sich die Enden im Umfangrichtung leicht überlappen, was bei reinen UD-Lagen in 0° natürlich nicht notwendig ist. Abschließend wurde wieder eine Lage UD aufgebracht.

     

    Oberrohr_nachher

     

    Oberrohr nach der Reparatur.

     

    Auf diese Weise ließen sich sowohl das Oberrohr (hier allerdings mit einer zusätzlichen Lage 0°), als auch der untere Bruch der Sitzstrebe recht problemlos „flicken“. Der obere Bruch der Sitzstrebe war aber, wie oben bereits erwähnt, direkt am Übergang von Sitzstrebe zur Bremsbrücke. Insbesondere Momente die durch das Bremsen entstehen, können unter Umständen nicht ausreichend aufgenommen werden. Die Lösung hier: schlicht steilere Faserwinkel, und um auf Nummer Sicher zu gehen, zwei Lagen Köper welches mit viel Geduld um den Übergang drapiert wird.

     

    Sitzstrebe_oben

    Sitzstrebe nach der Reparatur.

    Ich muss zugeben, dass das Resultat, insbesondere am oberen Bruch der Sitzstrebe keine Schönheitspreise gewinnen wird…noch nicht. Prinzipiell ist der Rahmen so wohl wieder fahrbar, um aber auch ästhetischen Ansprüchen gerecht zu werden soll er in den nächsten Wochen vollständig entlackt und anschließend wieder neu lackiert werden. Bis dahin sollten dann auch die letzten Unebeneheiten in der Oberfläche verschwunden sein. Hier ein Bild vom aktuellen Status:

     

    Rahmen_komplett

    Der komplette Rahmen.

    Categories: Allgemein, Lotz Carbon

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