• Lotz Carbon Von der Faser zum Fahrrad – Teil XVII

    Geschrieben von: Julian Lotz
    Sonntag, den 27. November 2011 um 21:09 Uhr

    So, weiter wieder mit dem Aero-Rahmen:

    Diese Woche habe ich ein bisschen am Unterrohr weiter gemacht. Hier hatte ich ja noch Bilder vom verpressen via Schrumpfschlauch versprochen. Das sieht man ganz gut uaf dem Bild unten. Hier war das Rohr schon weitgehend fertig, es kam nur noch die letzte, äußere Schicht an Laminat drauf. Nach dem Schrumpfen wird ein kleines Stück Schrumpfschlauch auf das Ende geschoben und geschrumpft. Versucht man die komplette Länge aufzubringen, verschiebt sich das Laminat, die Faserwinkel stimmen nicht mehr, es gibt Unebenheiten etc., also alles, was man vermeiden will. Wenn man das Ende bereits mit Schrumpfschlauch auf den Kern bzw. das Rohr drückt, vieschiebt sich nichts mehr, die Fasern sind schön abgelegt wie gedacht (sieht man ja auf den anderen Fotos). Wichtig ist, viele Löcher mit einer Nadel in den Schrumpfschlauch zu stechen (das geht gut nach dem ersten Schrumpfvorgang). Dann kann das Harz und die Luft gut raus. Je mehr Löcher, desto besser, kann man sagen.

    Rahmenrohr mit Schrumpfschlauch. Die Tropfen auf dem Schlauch sind überschüssiges Harz, das durch die Löcher abfließt.

    Rahmenrohr mit Schrumpfschlauch. Die Tropfen auf dem Schlauch sind überschüssiges Harz, das durch die Löcher abfließt.

     

     

    Der Schrumpfschlauch ist selbsttrennend und lässt sich nachher einfach der Länge nach aufschneiden und abnehmen. Das Schrumpfen selbst nimmt man zweckmäßigerweise mit einem Heißluftfön oder einem Heizlüfter vor, auch über einer Kerze geht das, das ist aber aus Brandschutzgründen und wegen der Möglichkeit Harz zu verbrennen (sehr ungesund, die Dämpfe) nicht zu empfehlen. Auf jeden Fall sollte man beim Schrumpfen des Schlauches ein Atemschutzgerät mit A1-Filter tragen, unter Hitze entstehen doch deutlich mehr Dämpfe als bei der Verarbeitung des Harzes bei Raumtemperatur.

     

    Ja, weiter geht’s. Im letzten Beitrag habe ich ja schamlos Werbung für Uhu Endfest Plus gemacht. Hier noch als Nachtrag ein laut Datenblatt quasi äquivalentes Produkt, mit dem ich ebenfalls schon gute Erfahrungen gemacht habe, nämlich der Epoxydkleber E von R&G. Der hat den Vorteil billiger zu sein als der Uhu. Allerdings mag er kein heißes Wasser – da versagt die Klebung dann im Kochtest. Ich weiß allerdings nicht, ob das beim Uhu besser ist – habe das Datenblatt auch gerade nicht da. Das Zeug sieht jedenfalls so aus:

     

     

    Epoxydkleber E.

     

    Gut, jedenfalls habe ich mal die Tretlagerhülse, um die es ja auch im letzten Beitrag ging, an das Sitzrohr geklebt. Weil ich den Rahmen hier ja so bauen will, dass es jeder nachmachen kann, habe ich keine Vorrichtung gefräst und auch keine Rahmenlehre zur Hilfe genommen (die wird aber für den leichten Rahmen des eigentlichen Von-der-Faser-zum-Fahrrad-Fahrrades benutzt). Mittels rechtwinkliger Aluklötze, planen Platten und gerade Aluvierkantrohren (das Zeug bekommt man im Prinzip alles im Baumarkt und/oder Werkzeughandel) habe ich mit 5-Minunten-Epoxy die Hülse fixiert. Die Gehrung habe ich ja letzte Woche schon hergestellt, das war auch im letzten Beitrag beschrieben.

     

     

     

    Fixierung der Tretlagerhülse am Sitzrohr.

     

    Das scheint jetzt auch soweit gut funktioniert zu haben. Bei Rohren, die keinen Kreisquerschnitt haben, muss man natürlich auch aufpassen, dass das Profil richtig ausgerichtet ist.

     

    Weiter mit dem Steuerrohr, das war ja das einzige noch nicht gebaute Rahmenrohr. Hier habe ich mich jetzt für die 1″-Gabel von Time entschieden – die schaut einfach stimmiger aus zum Rest, ein Foto davon gibt’s dann weiter unten. Mir sind da zwei FSA-Steuersatz-Lager zugelaufen, Chromstahl, 45×45, 36er Durchmesser glaube ich, Bohrung ist jedenfalls 27mm. Die habe ich dann auf die Gabel gepackt, am Lagersitz unten habe ich mit Glasfasern aufgefüttert. Glasfasern, weil ich da sehr dünne Gewebe habe, mit denen sich das gut zentrisch und passgenau aufbauen ließ. Nachher noch ein klein wenig mit Schleifpapier drumherum, und schon saß das Lager einwandfrei. Oben habe ich einen Basaltfaserring laminiert und als Lagersitz zurechtgedreht (wollte einfach mal Basaltfasern ausprobieren, Kohlenstofffasern oder Glasfasern gehen da genauso. Hier habe ich natürlich eine Drehbank verwendet, die vielleicht nicht jeder zur Verfügung hat – aber normalerweise kann man sich den Steuersatz ja so aussuchen, dass keine solchen Arbeiten anfallen.

     

     

    Lagerung im Steuerrohr.

     

    Jetzt musste da natürlich ein Steuerrohr für einen integrierten Steuersatz drumherum gebaut werden. Der findige Bastler greift also zu dünnen Wachsplatten aus dem Bastelbedarf. Andere Leute verzieren damit Kerzen, aber als günstig via Ebay oder Bastelgeschäft zu erwerbendes, leicht formbares Material kann man damit auch Steuerrohre bauen. Dazu muss nur mit Wachsstreifen alles so aufgedickt werden, dass eine schöne Kontur dabei herauskommt. Die Lager lassen sich damit auch gleich abdichten gegenüber dem Epoxydharz, nicht, dass nachher das Lager voll mit ausgehärtetem Harz ist.

     

     

    Steuerrohr mit Wachsplatten verkleidet.

     

    Das Wachs hat den Vorteil, dass es selbsttrennend ist, sehr weich, sich also mit einem Spatel oder per Hand in Form drücken lässt, und auch gut dichtet. Diesen Wachskern und die Lager habe ich noch mit PVA-Trennmittel (Polyvinylalkohol, das ist eine Flüssigkeit, die man mittels Pinsel, Schwamm oder Lackierpistole aufträgt, und die zu einer Folie eintrocknet) behandelt, aber hauptsächlich damit die Lager nicht mit dem Laminat verbacken. Danach konnte Laminiert werden. Auch hier habe ich wieder mit Schrumpfschlauch verpresst. Als Fasern habe ich allerlei Rest verwendet, Toray T700 als 100g/m²-UD-Gelege, 400g/m²-6k-Köpergewebe, Kohleschlauch aus T300, was eben gerade anlag. Aufbau ist fast schon quasiisotrop, die Lagersitze sind zusätzlich mit Roving in Umfangsrichtung versteift.

     

     

    Laminiertes und verpresstes Steuerrohr.

     

    Die Gabelkrone muss natürlich auch eingetrennt werden, sonst hat man nachher alles mit der Gabel verklebt. Wenn das Laminat ausgehärtet ist, lässt sich wieder der Schrumpfschlauch abnehmen, außerdem kann man dann mit einer Säge die Überstände über/unter den Lagern mit etwas Reserve absägen. Dann muss man alles nur noch entformen und das Wachs herausholen. Das ging in den kleinen Abschnitten ganz gut mechanisch mit einem Schraubendreher, aber ausschmelzen müsste bei dem niedrigschmelzenden Wachs auch gut funktionieren. Leider konnte ich das Steuerrohr noch nicht ganz entformen, das wollte ich ihm nach 15h Härtezeit noch nicht zumuten. Das kommt dann nächste Woche.

     

     

    Das grob besäumte Steuerrohr.

     

    Nun gut. So viel zum Steuerrohr. Dann habe ich noch das Unterrohr teils auf Gehrung zum Tretlager gebracht. Das ist wie beim Sitzrohr auch passiert, diesmal habe ich aber noch ein paar Fotos gemacht. Wie üblich: zuerst die Mitte des Rohres mit einer Rundfeile „ankörnen“, dann mit einem Schleifleinen-bewehrten Rohr die Gehrung ausarbeiten:

     

     

    Markierung der Rohrmitte.

     

     

    Schleifen der Gehrung.

     

    Wichtig ist, hier mit nassem Schleifleinen zu arbeiten. Andernfalls hat man den gesundheitsschädlichen Kohlenstoffstaub überall, das juckt und ist eben auch für Bronchien und Lunge nicht so toll. Zweitens steigert das die Standzeit des Schleifmittels ganz erheblich. Hier muss man darauf achten, ordentliches, wasserfestes Schleifleinen zu kaufen. Das gibt’s beim Werkzeughändler – kostet das Gleiche wie im Baumarkt, ist aber 3 Klassen besser.

    Natürlich muss noch eine Gehrung angebracht werden, damit das Rohr auch an der Sitzrohr gut anschließt. Hier habe ich nur eine Markierung mit Kreppband angebracht, und grob mit einer Säge vorgeschnitten – die eigentliche Gehrung dort bringe ich nächste Woche an, dafür hat dieses Wochenende die Zeit nicht mehr gereicht.

     

     

    Gehrung und Zeichnung des Rohrknotens.

     

    Ja, das war dann auch alles, was ich dieses Wochenende gemacht habe in Bezug auf das Rad. Weiter geht’s am nächsten Wochenende (zumindest mit Arbeit, aber ich habe leider nur wenig Zeit in der Werkstatt), und vor allem dann in der Uni-Winterpause. Mit einem Gesamteindruck (wo man auch die Time-Gabel im Zusammenspiel mit dem Rest sieht) verabschiede ich mich dann bis zur nächsten Folge!

     

     

    Gesamteindruck des Rahmensets bisher.

     

     

    English summary:

    This episode is about various topics. On the first picture you can see how I compressed the laminate with a shrink hose. It’s best if you put a little piece of the hose onto one end first and shrink it, then apply the rest of the hose – that way the fibres do not misalign. Another important thing is to prick many holes into the shrinking hose after shrinking it onto the laminate to let air and resin pass. After having that done you should shrink the hose again.

    Then I also attached the BB shell onto the seat tube. It’s just attached with some low grade glue (5 minutes epoxy), but it’s just to fixate it. I did not use a professional device to get everything aligned, because everyone should be able to build a frame like this with things you have at home or could easily get at a hardware shop. The light frame for the original „From-the-fibre-to-the-bike“-bike will be bonded together on a adequate device.

    In addition I did some work on getting the down tube matched to the BB and the seat tube – I think the pictures are speaking for themselves. Finally there is the picture above, where you can see all the tubes arranged – including the Time fork. You can see, that this fork matches the style of the frame, especially if the crown gets shaped with filler. Have a nice time until the next part!

     

     

    Categories: Allgemein, Lotz Carbon

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